Traumstadt Chemnitz

Redebeitrag der RHG zum Stay Rebel Festival

 

Hallo Freundinnen und Freunde des Stay Rebel,

Liebe Barbara,

für die unübersehbaren, positiven Entwicklungen von Chemnitz in der letzten Zeit wollen wir uns einmal recht herzlich bei dir bedanken.
Wie sich alles zum Besseren gewendet hat – wer hätte dies vor einem Jahr für möglich gehalten. Dabei war es vor allem dein Verdienst, dein Amt aktiv auszugestalten und die Probleme nicht nur auszusitzen sondern sie unkompliziert und effektiv zu lösen ohne Kosten und Mühen zu scheuen.

Allein dieses Festival:
Es war auch deswegen möglich, weil die Stadt personell (DJ Miko Runkel – dafür danke!) und finanziell viel zum Gelingen beitrug und so einen traditionellen Termin alternativer, demokratiefördernder Jugendkultur in der Stadt weiter etablierte.
Wir können heute außerdem exklusiv verkünden: Das AJZ und das Bennario sind langfristig gerettet. Die Mittel wurden sogar gehörig aufgestockt. In den nächsten Tagen will die Stadt trotz angespannter Finanzlage weitere Geldtöpfe für alternative Kulturprojekte zur Verfügung stellen.
Und auch das ist neu im Mai: Hunde und ihre BesitzerInnen können wieder zu jeder Tages- und Nachtzeit konsumieren was und wo sie möchten. Die Polizeiverordnung (Lex Runkelis) wurde abgeschafft (auch dank energischer Kritik der Gewerkschaft der Polizei … einfach umwerfend). Zur Wiederbelebung brachliegender, nächtlicher Stadtteile sieht der neue Stadtentwicklungsplan den Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Spätkaufläden vor und stellt vermehrt Gebäude und Plätze zur Verfügung, welche durch Menschen mit kreativen Ideen genutzt werden können. 
Weiterhin wurde verankert, dass Stadtteilgärten und Spielplätze in Eigenregie angelegt werden können und sollen. Auch die GGG gab mit ihrer Beteiligung grünes Licht hierfür und stellt Finanzmittel zum baldigen Abruf bereit.
Und auch dieses dürfen wir heute zum ersten Mal in aller Öffentlichkeit verkünden: Die Reba ist gerettet! Die GGG-Geschäftsführerin Simone Kalew hat den Vertrag gestern per Handschlag auf 100 Jahre verlängert. In der ganzen Stadt sollen außerdem neue Wächterhäuser und Hausprojekte wie Pilze aus dem Boden schießen. Auch die Wohnungsbaugesellschaft musste einsehen, dass dem Wohnungsleerstand und demographischem Wandel nur so begegnet werden kann.
Für die Unannehmlichkeiten der letzten Jahre wird die GGG pro Jahr zwei Festivals aktiv sponsoren. Auch die Stadtwerke, Volkswagen, das Fraunhoferinstitut und weitere bedeutende Unternehmen wollen Gelder zur Verfügung stellen, um Kultur und Jugend weiter zu fördern. Diese sind noch nicht die einzigen, die sich einer neuen sozialen Kompetenz (shareholder value bis zum Kommunismus) bewusst werden:

Nach massivem Druck von allen Seiten, schloss das “Waffen Army Shoes” auf der Strasse der Nationen, um sich nicht mehr am Verkauf von Naziausstattung gütlich zu tun.
Seine Hauptmarke hätte es allerdings nun eigentlich weitervertreiben können denn diese startete ihre Kampagne:

Thor Steinar loves all colors

Das kürzlich verfügte Verbot für das Tragen von Kleidung der in Nazikreisen beliebten Modemarke im Stadion an der Gellertstraße kann bald wieder aufgehoben werden. Das neue Marketingkonzept des arabischen Investors Mohammed M. Aweidah – Thor Steinar loves all colors – Shalom and Salam dürfte dem Unternehmen neue Kundenkreise erschließen und am Selbstverständnis so manches Neonazis zweifeln lassen. In Kürze sollen auch Markenname und Logo komplett von diffusen völkischen Andeutungen befreit werden. Außerdem steht der Chemnitzer Fußballclub nach der Insolvenz von Haller-Security und dem Angebot eines Aussteigerprogramms für die Beschäftigten in Verhandlungen mit einigen alternativen Sportgruppen, die sich nun um Einlass und störungsfreien Ablauf von Fußballspielen kümmern sollen.

The Wind of Change hat auch vor den Gremien der TU Chemnitz nicht halt gemacht: Nachdem Klaus-Jürgen Matthes ein Forschungssemester zum Erlernen der englischen Sprache aufwendet (+ Schweißerschein Drei A), wird die Uni nun im Kollektiv aller Beteiligten geleitet.
Die erste Entscheidung: Professor Rindermann wurde beurlaubt und widmet sich künftig neuen Kreuzungsverfahren von asiatischen, afrikanischen und europäischen Bienenbananorosenhunderassen, aus kultureller Perspektive versteht sich.
Auch die Uni muss sparen. Daher sparen sie sich jetzt einige Industriekooperationen (etwa was die Erforschung von Militärstiefeln für das österreichische Bundesheer oder die Schweizer Armee angeht).
Mit Demut kehren zudem die abgefallenen Brüder und Schwestern der Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften in den Schoß der Philosophischen Fakultät zurück.
Überraschend auch einige andere Ankündigungen der letzten Zeit. Wie seine Vorbilder Roland Koch und Philipp Rössler möchte Eckhard Jesse in die Wirtschaft gehen (Ich-AG Zigarrencontor „Helmut Schmidt“). Dabei möchte er auch seine vermuteten informellen Kontakte zum Verfassungsschutz nutzen, um aktiv vor einer Erosion der Abgrenzung zwischen Junger Union Chemnitz und Pro Chemnitz zu warnen. Nachdem beide Vereine damit gescheitert waren, den Park der Opfer des Faschismus in „Park der deutschen Opfer von bolschewistischen und kosmopolitischen Diktaturen“ umzubenennen, wurde von ihnen ein Vereinigungsparteitag (Deutschlandtag) einberufen. Wie schon in Limbach-Oberfrohna möchte auch hier die Union alle Parteien in Bündnisse gegen alles Extreme einbinden – das finden wir extrem gut. Immerhin ist dies wohl einer der letzten Versuche ostdeutschem Verfalls- und Ignoranzextremismus etwas entgegen zu setzten.

Die Rote Hochschulgruppe sagt Danke und weiter so!

Wir wünschen allen ein tolles Festival, tanzt nicht länger mehr den Tanz der Verwesung einer Stadt und tankt Kraft für ein weiterhin toll zu gestaltendes Leben in Chemnitz.

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