Moishe Postone: »Antisemitismus und Nationalsozialismus«

Ein Lesekreis.

Freundlich hingewiesen durch die Leseratten und Bücherwürmer des Bildungskollektiv Chemnitz

10. und 17.12.2011 | 11:00 | TU Chemnitz, Weinhold-Bau, Raum W044 

»Wir sind mehr wert«, »Hu – Hu – Humankapital«, »Wir sind 99%«, »Occupy Wall Street«, »Weist die Banken in die Schranken«. So sehen griffige Slogans zeitgenössischer Mobilisierungsversuche zur Anklage sozialer Missstände aus. Die Formen des studentischen Protests gegen Kürzungen im Bildungssektor, als auch die Kritik an Banken und Finanzpolitik lassen zwei Elemente populären sozialen Protests erkennen: die Identifikation mit der Leistungs- und Arbeitslogik als »Fleiß« und »Vernunft« und die Verteufelung der allgemeinen und grundlegenden gesellschaftlichen Prinzipien als »Gier« und »Irrationalität«. 

Diese typische Doppelerscheinung sozialen Protests, der nicht zu den Grundlagen des Problems vorstößt, und ihre mörderischen Folgen analysierte der damals in Frankfurt am Main und heute in Chicago lebende Historiker Moishe Postone in seinem Essay »Antisemitismus und Nationalsozialismus« (1979). In einem Rundumschlag setzt sich Postone darin mit Grundzügen antisemitischer Ideologie, mit völkischem Antikapitalismus, mit der Verdrängung der NS-Verbrechen in Deutschland nach 1945 und den Fehlern und Verstrickungen der deutschen außerparlamentarischen Linken in Antisemitismus und Israelhass auseinander, um als argumentative Pointe Marx’ Analyse und Kritik der kapitalistischen Verhältnisse mit der Analyse des Antisemitismus zu koppeln.

Der Text ist mittlerweile ein Klassiker der ideologie- und wertkritisch orientierten Linken, dem es so geht wie vielen anderen Klassikern: Sie sind bekannt, landen als Schmuckstücke in Lese- und Linklisten, werden aber doch kaum gelesen und intensiv diskutiert. Als Schlüssel zur deutschen Geschichte, speziell zur Geschichte der deutschen Linken, zu einer Kritik des Antisemitismus und zu einer Neuentdeckung der marxschen Kritik soll Postones Essay in einem selbstorganisierten Lesekreis Abschnitt für Abschnitt behandelt werden.

Idee ist, den Text gemeinsam und kooperativ zu behandeln und zu diskutieren sowie weitere Quellen zu sichten und zu besprechen, nicht zuletzt um besser für Auseinandersetzungen mit Formen reaktionärer Kritik am Kapitalismus gewappnet zu sein. Im Rahmen des ersten Treffens soll der Text kurz vorgestellt, Überlegungen zur Lesekreisgestaltung diskutiert und mit der Organisation der Lesekreisgruppe begonnen werden.

Eine Veranstaltung des Rosa-Luxemburg-Clubs Chemnitz.

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